Adria Airways meldet Insolvenz an

Nachdem letzte Woche der britische Touristikkonzern Thomas Cook Insolvenz angemeldet hat und etliche Flüge ausgefallen waren, folgt nun die nächste Pleite: Die slowenische Adria Airways ist insolvent. Was betroffene Passagiere jetzt wissen sollten.

Adria Airways Maschine am Flughafen

Ehemalige slowenische Staatsairline insolvent

Die slowenische Adria Airways ist eine relativ kleine Fluggesellschaft mit rund 500 Mitarbeitern und 20 Maschinen. Die 1961 gegründete ehemalige Staatsairline Sloweniens bediente vor allem Ziele auf dem Balkan und in Westeuropa. Seit 2016 befindet sich Adria Airways im Besitz des deutschen Finanzinvestors 4 K Invest. Seit der Privatisierung verkaufte die Gesellschaft alle Flugzeuge und leaste sie zurück. Laut Medienberichten soll Adria Airways dennoch einen Schuldenberg von 90 Millionen angehäuft haben.

Seit einigen Tagen stellte die Airline bereits immer mehr Flüge ein. Die slowenische Luftfahrtaufsicht (CAA) hatte dem schlingernden Unternehmen eine Frist bis zum 2. Oktober gesetzt um einen soliden Finanzplan vorzulegen. Dieser wäre Voraussetzung für die weitere Betriebserlaubnis der Behörde. Zuletzt hatte die slowenische Regierung mitgeteilt, der Fluggesellschaft keine Finanzspritze zu geben.

Tausende Passagiere von Insolvenz betroffen

Von der Pleite sind rund 15.000 Passagiere betroffen. Adria Airways, die auch der Luftfahrtallianz Star Alliance angehört, befindet sich aktuell in Gesprächen mit der Lufthansa, ob die deutsche Fluggesellschaft die Hälfte der nun ausfallenden Flüge übernehmen könnte. Auch Passagiere von Swiss Airlines sind betroffen, da Adria Airways die Strecke Zürich-Lugano bedient hatte. Swiss werde alle Flüge annullieren und den Passagieren Gutscheine für Zugreisen anbieten. Auch Umbuchungen über alternative Verbindungen seien gegebenenfalls möglich. Kunden, die ihre Reise nicht antreten wollen, erhielten ihre Ticketkosten zurück, teilte eine Unternehmenssprecherin mit.

Was Passagiere von Adria Airways erwarten können

Von Flugausfällen betroffene Adria Airways-Kunden können – ähnlich wie bei den Pleiten von Air Berlin und Germania – versuchen, ihr Geld im Rahmen eines sogenannten Chargebacks zurückzuerhalten. Anderenfalls besteht nur die Möglichkeit, seine Forderungen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Insolvenzverwalter geltend zu machen. Da Adria Airways eine ganze Reihe Flüge im Auftrag von Lufthansa, Swiss und Austrian Airways durchgeführt hat, besteht für Passagiere dieser Flüge die Möglichkeit der Ersatzbeförderung. Ob eine Entschädigung gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung ausgezahlt werden kann, ist allerdings fraglich. Denn alle Forderungen gegenüber der Fluggesellschaft werden im Insolvenzverfahren zu einer Insolvenztabelle angemeldet. Bei Auszahlung der Gläubiger haben dann immer Löhne und staatliche Forderungen Vorrang vor Entschädigungen von Passagieren. 

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