Welche Fluggesellschaft haftet? Urteilslage zu Wet-Lease & Co.

Stellt euch vor, ihr sitzt am Gate. Plötzlich werdet ihr stutzig, denn die Maschine, in die ihr gleich einsteigt, trägt den Namen einer anderen Fluggesellschaft und nicht den jener, bei der ihr die Flüge gebucht habt. Keine Panik, ihr sitzt am richtigen Gate und das Flugzeug bringt euch auch an euer Ziel. Mehr zu Wet-Lease und Codesharing und wer bei Flugausfällen und Verspätungen haftet, erfahrt ihr in diesem Blog.

Warten Flughafen Verspätung

Was bedeutet Wet-Lease?

Bei Wet-Lease findet eine Kooperation zwischen zwei Fluggesellschaften statt, in der eine Fluggesellschaft der anderen ein Flugzeug samt Besatzung, Wartung und Versicherung für einen oder mehrere Flüge vermietet. Das kommt zum Beispiel vor, wenn das eigene Flugzeug wegen andauernder Wartungen nicht einsatzbereit ist.

Flug verspätet: Wer haftet bei Wet-Lease?

Im Sommer 2018 beriet der Europäische Gerichtshof (EuGH) darüber, welche der beiden Fluggesellschaften bei einem Wet-Lease Vertrag die Verantwortung für Flugausfälle oder Verspätungen trägt. Der EuGH urteilte, dass diejenige Fluggesellschaft verantwortlich ist, die den Flug ausführt. Also die Fluggesellschaft, die den Flug anbietet, die Flugroute festlegt, die operationelle Verantwortung trägt und das Flugzeug mietet. Das Kürzel der ausführenden Fluggesellschaft steht auch auf euren Bordkarten. Solltet ihr bei einem Wet-Lease Flug Anspruch auf Entschädigung haben, steht somit die verantwortliche Fluggesellschaft und eurer Ansprechpartner eindeutig fest. Damit sorgt das Grundsatzurteil des EuGH für Rechtssicherheit für Flugpassagiere.

Was ist der Unterschied zwischen Wet-Lease und Codesharing?

Im Gegensatz zum Wet-Lease teilen sich beim Codesharing zwei Fluggesellschaften einen Flug. Euer Sitznachbar kann also eine andere Flugnummer auf seinem Ticket stehen haben. Kurz gesagt gilt: Bei Flugausfall oder -verspätung haftet beim Codesharing diejenige Fluggesellschaft, die auch das Flugzeug stellt. Prüft also am besten, ob die Fluggesellschaft, über die ihr gebucht habt, die ausführende ist oder lediglich jene, die sich „eingeklinkt“ hat. Trifft letzteres zu, müsst ihr eure Entschädigung bei der anderen Fluggesellschaft einfordern oder ihr schaltet einfach EUclaim ein.

2
Hinterlassen Sie einen Kommentar

avatar
1 Comment threads
1 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
2 Comment authors
EUclaimWolfgang Därr Recent comment authors
Neueste Älteste
Wolfgang Därr
Wolfgang Därr

Offenbar gibt es eine dritte Meinung, die sagt, dass die Fluggesellschaft welche nicht selbst den Flug durchführt, sondern ihn nur über eine eigene Flugnummer vermarktet nur dann haftet, wenn auch andere Gesichtspunkte darauf hindeuten, dass die durchführende Fluggesellschaft nur “Subunternehmer” ist. Dass der Flug unter einer Flugnummer einer anderen Gesellschaft angeboten wird reiche nicht aus, sie als Subunternehmer zu qualifizieren und damit die Veranstwortung bei der Fluggesellschaft zu belassen, die den Flug nur über ihre Flugnummer “vermarktet” hat.

Gibt es dazu Rechstprechung?

EUclaim
EUclaim

Ich denke, dass hier zwei unterschiedliche Verfahren verwechselt werden. Ein Thema ist das “Codesharing”, wie hier im Blog beschrieben. Ein anderes Thema ist das “Wet-Leasing”, welches wir in unserer Pressemitteilung vom 13. September erläutern. Leider liegt uns hierzu noch keine Urteilsbegründung vor (https://www.euclaim.de/presse/euclaim-gewinnt-klage-vor-bundesgerichtshof).

Viele Grüße
Carsten von EUclaim

Fragen?