Die Geschichte der deutschen Luftfahrt

100 Jahre Passagierluftfahrt – 100 Jahre Pioniergeist. Wir blicken zurück auf tollkühne Segelflieger, Brettersitzbänke und offene Kabinen. Die Anfänge der Fliegerei waren wahrlich abenteuerlich. Und eines steht fest: Die moderne Luftfahrt wäre ohne deutschen Erfindungsreichtum nicht dieselbe. Wir stellen die Geschichte der Luftfahrt vor.

1890 nahm alles seinen Anfang: mit dem Segelflugzeug. Sein Erfinder? Der deutsche Luftfahrtpionier Otto Lilienthal. Er gilt als erster Mensch, der sich erfolgreich mit einem Gleitflieger in die Luft erheben konnte. Seinen wagemutigen Experimenten verdanken wir zum Beispiel das Konzept der Tragfläche.

Schon wenige Jahre später, 1903, hoben die Gebrüder Wright das Fliegen auf die nächste Ebene. Sie entwickelten das erste motorisierte Flugzeug, den „Flyer“, und ebneten damit auch den Weg für die militärische Nutzung der Technik.

Im Ersten Weltkrieg (1914 - 1918) wurden bereits Militärflugzeuge eingesetzt. Und obwohl zu dieser Zeit auch der erste Passagierflug stattfand, hatte die Flugzeugentwicklung für militärische Zwecke zu jener Zeit oberste Priorität.

Geschichte der Luftfahrt: Das Aufkommen der Passagierflüge

Er war nur 34 Kilometer lang, dauerte ganze 23 Minuten und schrieb dennoch Geschichte: der erste kommerzielle Flug mit einem Passagier an Bord. Im US-Bundesstaat Florida ging es 1914 von St. Petersburg nach Tampa – eine Strecke, die mit dem Dampfboot zwei Stunden, mit dem Zug bis zu zwölf und mit dem Auto 20 Stunden dauerte. In Deutschland flogen Passagiere damals noch mit den Postfliegern zwischen Berlin und Weimar mit. 1919 etwa der deutsche Reichspräsident Ebert. Er saß dabei zwischen den beiden Piloten. Auf einem Holzbrett. Im offenen Cockpit.

Komfortabler wurde es erst in den 1920er-Jahren, als der Passagierflug auch in Deutschland immer mehr Schwung bekam. 1925 etwa wurden schon die ersten Stummfilme an Bord gezeigt. Und 1926 entstand mit der Lufthansa die älteste deutsche Fluggesellschaft, die heute noch existiert.

Wichtigster Flughafen damals: Berlin-Tempelhof. Hier startete am 6. April 1926 der erste planmäßige Lufthansa-Flug über Halle, Erfurt und Stuttgart nach Zürich. Er war damit zugleich auch der erste Linien-Auslandsflug der Lufthansa. Ihr erklärtes Ziel: ein Liniennetz zwischen allen europäischen Metropolen aufzubauen.

Die Entwicklung der Düsentriebwerke

In den 1930er-Jahren war die Passagierluftfahrt in Europa fest etabliert. Die Schweizer Fluglinie Swissair schrieb 1934 Geschichte mit der Einstellung der ersten Stewardess.

In Deutschland machte unterdessen die Triebwerk-Technik einen großen Sprung. Der Physiker Hans Pabst von Ohain entwickelte gemeinsam mit dem Ingenieur Ernst Heinkel das erste Düsenflugzeug: die „HE 178“. Mit 600 km/h war sie gut dreimal so schnell wie andere Passagierflugzeuge und ging am 27. August 1939 zum ersten Mal in die Luft. Der rund acht Minuten dauernden Rundflug über Rostock beendet die Ära der Propellerflugzeuge und das Zeitalter des modernen Turbojets brach an.

Die ersten Düsenjets wurden erneut vorwiegend militärisch genutzt und flogen im Zweiten Weltkrieg. In der zivilen Luftfahrt wurden währenddessen immer mehr Linienstrecken kriegsbedingt eingestellt. Mit Kriegsende und der Befreiung Deutschlands unterstellten die Alliierten die Luftfahrt über deutschem Gebiet ihrer Kontrolle und untersagten zunächst alle zivilen Flüge. Erst 1955 nahm die Lufthansa den Flugverkehr wieder auf.

Fünf Jahre später begann mit der Ankunft der ersten Lufthansa-Boing 707 das moderne Düsenzeitalter bei der Kranich-Fluglinie. Von Hamburg aus flog der Düsenjet mit 14 Pressevertretern an Bord zunächst in 40 Minuten nach Frankfurt und von dort in achteinhalb Stunden in die USA. Noch heute dauern Flüge von Frankfurt nach New York in etwa genauso lange.

Die Herausforderung der Luftfahrt im 21. Jahrhundert

Fliegen ist für die meisten Menschen längst so normal wie Autofahren. Entsprechend explosionsartig hat sich die Passagierluftfahrt in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt. 1,74 Millionen Passagierflüge starteten und landeten 2019 an deutschen Flughäfen. Der größte ist Frankfurt, vor Corona Europas Nummer vier nach London Heathrow, Paris Charles de Gaulles und Schiphol in Amsterdam.

Die Pandemie hat den Luftverkehr inzwischen drastisch verändert. Die Zahl der Passagier und Flüge nahm rasant ab und auch die Rangfolge der nach Passagieraufkommen größten europäischen Flughäfen wurde ordentlich durcheinandergewirbelt. Nummer eins war 2021 der Istanbul Airport, für Frankfurt ging es runter auf Rang sieben.

Mittlerweile steigt die Zahl der Flüge und Passagiere wieder, wodurch auch die Klimaschutz-Debatte neue Fahrt aufnimmt. Im Mittelpunkt steht dabei die Senkung des CO2-Ausstoßes, zu dem der Luftverkehr seinen Teil durch die Beförderung von Fracht und Passagieren beiträgt.

Elektrisches Fliegen, Biokraftstoffe und öffentlicher Verkehr

Elektrisch fliegen? Gestaltet sich schwierig. Es gibt zwar schon viele Experimente, aber bis jetzt sind Elektroflugzeuge klein und brauchen eine große Zahl Batterien. Die Folge: Sie sind kaum wirtschaftlich für Passagierflüge zu nutzen.

Biokraftstoff ist daher momentan eine der populärsten Maßnahmen, die Fluggesellschaften für den Klimaschutz ergreifen. Er ist nachhaltig, aber auch teuer als herkömmliche Treibstoffe. Das führt zu Akzeptanzschwierigkeiten: Fluggäste sind es heutzutage gewohnt, für 15 Euro nach Italien fliegen zu können und selten bereit, aus Klimaschutzgründen mehr für ihr Ticket zu bezahlen.

Die Bundesregierung fördert die Entwicklung nachhaltiger Treibstoffe und prüft die Einführung einer europaweiten Luftverkehrssteuer. Ob diese Maßnahmen das Problem lösen können, bleibt abzuwarten.

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