Steht uns ein Verspätungssommer wie 2018 bevor?

Mehr Passagiere, zu wenig Personal – und dann droht auch noch ein übervoller Luftraum. Fachleute warnen: Diesen Sommer könnte sich das Chaos des Verspätungsjahres 2018 wiederholen, in dem es durchschnittlich 100 Flugprobleme pro Tag in Deutschland gab. Denn auch in diesem Jahr ist die Lage an den Flughäfen kritisch. Woran liegt das? Was wird dagegen getan? Und worauf sollten Sie sich als Fluggast einstellen?
Pauschalreise Flugverspätung

Endlich wieder verreisen im Sommer. Darauf freuen wir uns nach zwei Jahren Pandemie doch eigentlich alle, oder? Millionen Menschen haben ihren Flieger schon gebucht. Die deutschen Flughäfen bieten bei Europa-Flügen inzwischen fast wieder so viel Kapazität wie vor Corona. Und das ist auch nötig.

Andrang an den Flughäfen erwartet

Besonders beliebt sind dieses Jahr Ferienreisen ans Mittelmeer, zum Beispiel nach Griechenland oder Spanien. Allein für die Balearen rechnen die internationalen Airlines im Sommer mit rund 44 Millionen Fluggästen – vier Millionen mehr als 2019, dem letzten Sommer vor der Pandemie. All diese Reisenden und die Maschinen, in denen sie fliegen, müssen natürlich betreut und kontrolliert werden. Und genau hier lauert ein Problem.  

Personal fehlt fast überall

Während der Pandemie haben fast alle Unternehmen, die mit Flugreisen zu tun haben, Stellen gestrichen: Flughäfen, Airlines, Flugsicherheit und viele Dienstleister. Das ist natürlich verständlich, brach der Flugverkehr doch massiv ein. Aber jetzt, wo wir wieder mehr verreisen, drohen Engpässe – zum Beispiel beim Bodenpersonal.

Ganz gleich, ob es um den Check-in, das Verladen des Gepäcks oder die Flugsicherheit geht: Hier arbeiten zurzeit immer noch rund 20 Prozent weniger Mitarbeiter als vor Corona, schätzt der Flughafenverband ADV. Da scheinen im Sommer lange Schlangen und Wartezeiten vorprogrammiert. Zumal auch Corona immer noch nicht Geschichte ist.

Omikron sorgt für Ausfälle

Die hochansteckende Virusvariante Omikron hatte zuletzt in der Winterreisezeit für viele Flugausfälle gesorgt. Tausende Maschinen hoben rund um Weihnachten nicht ab, da das Bordpersonal sich krankgemeldet hatte oder in Quarantäne befand. Da auch die Airlines weniger Personal beschäftigen als vor der Pandemie, lassen sich solche Ausfälle kaum auffangen. Und dann sind da noch die besonderen Herausforderungen für die Flugsicherheit.

Deutscher Luftraum zu voll?

Wegen Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Polen sicherheitshalber den Luftraum an der Grenze zu Russland gesperrt. Viele Flüge werden deshalb im Moment über Deutschland umgeleitet. Und es könnte noch mehr werden. In Polen kündigen gerade massenhaft Lotsen. Sie sollen 70 Prozent weniger Gehalt bekommen. Wird diese hausgemachte Krise nicht gelöst, werden noch mehr Überflüge in unserem Luftraum stattfinden.

Und das, obwohl die Mitarbeiter der deutschen Flugsicherheit auch im Westen mehr Maschinen betreuen müssen. Frankreich hat nämlich ein neues Flugsicherheitssystem eingeführt. Und das arbeitet anfangs nicht mit voller Kapazität – aus Sicherheitsgründen. Bis Ende Juli ist unser Luftraum deshalb voller als sonst und es drohen Verspätungen.

Tut denn niemand was dagegen?

Doch, alle betroffenen Unternehmen stellen gerade Personal ein. Allein der Flughafen Frankfurt, der in der Pandemie 4.000 Stellen gestrichen hat, sucht zurzeit rund 1.000 neue Mitarbeiter. Das ist aber gar nicht so einfach. Zum einen ist der Arbeitsmarkt ziemlich leer, zum anderen sind die Sicherheitsanforderungen an Airport-Beschäftigte hoch. Die Luftsicherheitsbehörden der Bundesländer müssen jeden Einzelnen vor Einstellung prüfen – das kann bis zu sechs Wochen dauern. Der Flughafenverband ADV hat deshalb bereits die Politik aufgefordert, die Überprüfungen zu beschleunigen.

Was erwartet Passagiere also im Sommer?

Mit längeren Wartezeiten müssen wir wohl auf jeden Fall rechnen. Zu Ostern gab es einen kleinen Vorgeschmack. Bei der ersten Reisewelle des Jahres kam es besonders in den bei Urlaubern beliebten Morgen- und Abendflügen zu Verzögerungen von etwa 30 Minuten. Aber wird es wirklich so schlimm werden wie im Verspätungssommer 2018?

Damals herrschte wochenlang Chaos im deutschen Flugverkehr, was bei Urlaubern für viel Unmut sorgte. Mehr als 3,5 Millionen Passagiere waren so stark betroffen, dass sie Anspruch auf eine Entschädigung hatten. Vor vier Jahren trafen allerdings mehrere Faktoren unglücklich zusammen: Zu Personalengpässen bei der Flugsicherung kam beispielsweise auch die Pleite von Air Berlin hinzu, die eine Neusortierung der deutschen Fluglinien nach sich zog.

Die meisten Fachleute gehen deshalb davon aus, dass sich ein ähnlich extremes Szenario dieses Jahr nicht wiederholt. Gleichwohl ist die Lage durchaus so angespannt, dass Flugausfälle und Verspätungen vorprogrammiert sind.

Wie können sich Fluggäste vorbereiten?

Halten Sie Kontakt mit dem Reiseveranstalter und der Fluglinie und informieren Sie sich, ob und wann Ihr Flug stattfindet. Planen Sie genug Zeit für das Warten am Check-in-Schalter oder bei der Sicherheitskontrolle ein. Tipp: Nutzen Sie den Online-Check-in und geben Sie Ihr Gepäck sofern möglich an Automaten auf. Das spart Zeit.

Und wenn es doch mal schiefgeht und Ihr Flieger verspätet abhebt oder gar annulliert wird? Dann nutzen Sie Ihre Fluggastrechte und fordern Sie gegebenenfalls Entschädigung. Im Verspätungssommer 2018 beliefen sich die Entschädigungsansprüche von Passagieren gegenüber Fluggesellschaften übrigens auf mehr als eine Milliarde Euro, wie EUclaim ermittelt hat. Wir unterstützen Sie gerne dabei, Ihr Recht geltend zu machen.

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