Amtsgericht Hannover: Tuifly muss mehreren Klägern Entschädigung zahlen

EUclaim: Verbraucherfreundliche Entscheidung, die uns nicht überrascht / Erkrankungen von Crew-Mitgliedern sind kein außergewöhnlicher Umstand

Tuifly Fälle werden verhandelt

Duisburg, 15. Februar 2017. Im vergangenen Oktober fielen etliche Flüge der Airline Tuifly aufgrund massenhafter Krankmeldungen der Besatzungen aus. Tausende Urlauber strandeten an Flughäfen oder erreichten ihr Reiseziel erst mit massiver Verspätung. Allein am Amtsgericht Hannover sind circa 630 Zivilklagen anhängig. Jetzt hat das Gericht mehreren Klägern Entschädigungen nach der EU-Fluggastrechteverordnung zugesprochen.

Ein Rentnerehepaar aus Bergisch Gladbach hat Anspruch auf 800 Euro, weil es nahezu vier Stunden verspätet in Köln landete. Eine Familie aus Niedersachsen erhält 2000 Euro, da ihre Reise komplett abgesagt wurde. Tuifly wehrt sich bisher gegen Entschädigungszahlungen: Das Unternehmen bewertet die Krankmeldungen seiner Mitarbeiter als sogenannten wilden Streik. Verspätungen und Flugausfälle wegen Streiks sind in Deutschland nicht entschädigungspflichtig.

Nicole Krey, Rechtsexpertin beim Fluggasthelfer EUclaim, bewertet die ersten Urteile des Amtsgerichts Hannover als verbraucherfreundlich: „Die Erkrankung eines Crew-Mitgliedes stellt keinen außergewöhnlichen Umstand dar, sondern ein typisches und gewöhnliches Unternehmerrisiko. Es führt daher nicht zum Wegfall der Leistungspflicht der Airline. Das ist vergleichbar mit einem technischen Ausfall eines Flugzeugs. Auch hier hat das Luftfahrtunternehmen eine Entschädigung zu tragen. Bei Flugverspätungen und -ausfällen wegen Crew-Engpässen steht Passagieren eine finanzielle Entschädigung von bis zu 600 Euro zu.“

Es sei allerdings zu erwarten, dass sich Tuifly mit der heutigen Entscheidung nicht einverstanden zeige und gegen das Urteil Berufung einlege. Nicole Krey von EUclaim: „Das wird zur Folge haben, dass das Verfahren auf höherer Instanz eventuell sogar bis zum Europäischen Gerichtshof ausgetragen wird und sich somit länger hinzieht. Aus Verbrauchersicht wäre das sehr bedauerlich. Zumal wir davon ausgehen, dass sich auch in höheren Instanzen an dem heute gefällten Urteil nichts ändern wird.

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